Ursprünge des Hawaiihemdes
Bunte Muster haben auf den hawaiianischen Inseln bereits eine Jahrhunderte alte Tradition. Lange vor der Ankunft der Europäer - der berühmte britische Kapitän James Cook "entdeckte" die Inselgruppe 1778 und taufte sie auf den Namen Sandwich-Inseln - hatten die Polynesier sie von Westen aus bevölkert. Diese ersten menschlichen Bewohner trugen dem Klima angemessen nur wenig Kleidung, die sie aus der getrockneten Rinde von Papiermaulbeerbäumen herstellten. Mithilfe von natürlichen Farben wurden diese Stoffe mit bunten Mustern verziert.Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Inseln bereits von einem bunten Gemisch an Ethnien bewohnt. Neben den Völkern des Südpazifiks waren Chinesen und Japaner vertreten - und natürlich die Europäer und ihre US-amerikanischen Nachfahren, denen vor allem die christliche Mission ein Anliegen war. In der größten Stadt, in Honolulu auf der Insel Oahu, tauchten ab den 1840er-Jahren bunte Hemden im Straßenbild auf. Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts setzte sich das bunte philippinische bayan vor allem bei der Jugend durch - und es wurde nicht in die Hose gesteckt, sondern lose darüber getragen, was bis heute eine Grundregeln für das Hawaiihemd geblieben ist. Konkurrenz machte dem bunten Hemd das palaka, ein raues, kariertes Baumwollhemd, das kurzzeitig sogar viel beliebter war und von vielen als Nationalkleidung angesehen wurde.
Wie genau das moderne Hawaiihemd entstand und wer als sein Vater oder seine Mutter bezeichnet werden kann, ist nicht mehr zu klären. Fest steht, dass Ende der 1920er-Jahren verschiedene Personen anfingen, sich bunte Hemden aus Stoffbahnen für japanische Kimonos schneidern ließen - also hauptsächlich aus Seide und Krepp. Anfang der 1930er-Jahre gelangten dann einige Textilhändler mit echten Hawaiihemden zu erheblicher Bekanntheit.
Ellery J. Chun, der an der Eliteuniversität Yale studiert hatte, kam nach Honolulu zurück und übernahm den Laden seiner Eltern, den er bald in King-Smith Clothiers umbenannte. Er verkaufte Hemden aus knallbuntem Kimono-Stoff und gilt als Pionier. 1937 trug er sogar den Begriff "Aloha Shirt" für 20 Jahre als Marke ein. Ein zweiter Pionier war Koichiro Miyamato, besser bekannt als Musa-Shiya the Shirtmaker. Er machte den elterlichen Betrieb in Honolulu mit Hawaiihemden zu einer der bekanntesten Maßschneidereien der Welt - vor allem mit seinen preisgekrönten Werbekampagnen, in denen er als stark japanisch akzentuiert sprechender Textilhändler auftrat.
Bis zum Zweiten Weltkrieg entwickelte sich auf den hawaiianischen Inseln eine große Vielfalt an Manufakturen. Die Textilherstellung war ein wichtiger Wirtschaftszweig geworden, und die Schneider übertrafen sich gegenseitig mit immer prächtigeren, immer farbenfroheren Hawaiihemden. Gleichzeitig begannen die Freunde des hawaiianischen Nationalsports, die Surfer, die Hemden als Teil ihrer Identität zu tragen.
