Herstellung des Hawaiihemdes
Ein echtes Hawaiihemd ist ein Meisterwerk des Designs, das aus besonders hochwertigen Rohstoffen geschneidert wird. Wichtig ist das bunte Muster. Gerade in der Anfangsphase wurden traditionelle polynesische Tapa-Muster aufgegriffen. In dieser Tradition stehen noch heute die Motive, die die hawaiianische Flora und Fauna aufgreifen: Papageien, Fische, Bananen und Ananas. Auch handwerkliche Motive wie geflochtene Körbe haben eine lange Tradition. Und immer wieder trifft man auf das Symbol von Inselparadies und Urlaub schlechthin: die Palme am idyllischen Sandstrand.Gerade in der Frühphase des Hawaiihemdes vor dem Zweiten Weltkrieg waren natürlich auch japanische Motive weit verbreitet - immerhin wurden die ersten Shirts aus Kimono-Stoff gefertigt. Daraus ergab sich die Tradition, Bestandteile der lokalen Kultur in den Motiven aufzunehmen, etwa Ozeandampfer, Hotels oder große Limosinen - und natürlich Surfbretter, Surfer, Wellen und alles andere rund um den hawaiianischen Nationalsport.
Die Materialien waren vor allem in der Anfangsphase von der ostasiatischen Kultur bestimmt: Seide und Rohseide herrschten als traditionelle Kimono-Stoffe vor, auch chinesisches Krepp war weit verbreitet. Aber auch Baumwolle wurde bereits verwendet - immerhin verfügte sie bereits über eine Tradition in Form der palaka, der karierten Arbeitshemden. Bereits in den 1930ern wurde auch die viel dehnbarere Viskose genutzt.
In den 1960er-Jahren wurden die gesamten USA von einem Futurismus befallen, einer Begeisterung für die Zukunft und für Visionen des zukünftigen Alltags. Dazu trug nicht zuletzt die Ansage Präsident John F. Kennedys bei, bis zum Ende des Jahrzehnts einen Mann auf den Mond zu bringen. In diesem Zuge erlebte Plastik als Konstruktionsmaterial einen Aufschwung, und auch in der Textilindustrie hielten Kunststoffe Einzug. Hawaiihemden wurden in dieser Zeit aus Polyester, Acryl und synthetischen Mischgeweben geschneidert - und neue chemische Farben machten eine bisher ungeahnte Prächtigkeit möglich.
Doch da die neuen Stoffe nicht besonders atmungsaktiv waren, verschwanden sie bis zu den 1980ern wieder. Seitdem werden Hawaiihemden bevorzugt aus Seide, Baumwolle und Baumwollmischgeweben hergestellt.
Das echte Hawaiihemd hat einige besondere Kennzeichen, die es in dieser Kombination von allen anderen Hemden unterscheiden - und die bei einem Original auch eingehalten werden müssen. Zunächst ist der gerade Saum am unteren Abschluss zu erwähnen. Die meisten Knöpfhemden sind vorn und hinten nach unten länger - weil sie in die Hose gesteckt werden und man am Bauch und am Rücken etwas Spielraum braucht. Hawaiihemden dagegen werden über der Hose getragen, deshalb schließen sie gerade ab. Es sollte also auch niemand auf die Idee kommen, ein Hawaiihemd in die Hose zu stecken!
Stolz sind die Hersteller der Insel auch darauf, dass sie seit den Anfängen ausschließlich Knöpfe aus Kokosnuss-Schalen verwenden. Es ist ein heimisches Material, das in Handarbeit zurechtgeschnitzt und poliert wird und jedem Hawaiihemd das gewisse exotische Etwas verleiht. Achten sollte jeder Schneider auch darauf, dass die Taschen des Hemdes - sie werden wie bei anderen Hemden von außen aufgenäht - das bunte Muster nicht unterbrechen. Sie müssen also genau so ausgeschnitten werden, dass sie in das Muster passen.
Eine Besonderheit ist das "reverse print", bei dem der Schneider die bedruckte Seite des Stoffes nach innen wendet. Auf diese Weise ist das Muster auf der Außenseite des Hawaiihemdes nur blass zu sehen - es sieht aus wie ein auf links gedrehtes Hemd. Die "reverse prints" werden vor allem auf Hawaii selbst getragen und gelten als voller Ersatz für Business-Kleidung.
