Der Aufstieg zum Nationaldress
Nach dem Krieg besannen sich die Hawaiianer auf die atemberaubende Schönheit ihrer Natur und setzten wirtschaftlich voll auf den Tourismus. Schon bald wurden Schiffsladungen wohlhabender US-Amerikaner von den großen Ozeankreuzern im Hafen von Honolulu abgeladen. Auch Flugverbindungen wurden günstiger und beliebter. Begrüßt wurden die Touristen mit den traditionellen Blumenketten und viel Freundlichkeit. Doch schnell wurde den Insulanern klar: Ohne ein echtes Hawaiihemd wollte keiner der männlichen Besucher wieder zurück in Richtung Osten fahren - und die meisten fanden darüber hinaus, dass ein Hemd das ideale Souvenir sei.So bedingten und verstärkten sich der wirtschaftliche Aufstieg der Textilhersteller, der Tourismus und die Etablierung des Hawaiihemdes als nationales Symbol gegenseitig. Aus der Kultur der Wellenreiter waren die bunten Hemden nicht mehr wegzudenken. In dieser Zeit revolutionierte der Textilhersteller Alfred Shaheen den Industriezweig, indem er unter dem Dach seiner Firma die gesamte Produktionskette vereinte, vom Design über den Stoffdruck bis hin zum Schneiden und Nähen. Seine Manufakturen nahmen sozusagen auf der einen Seite Rohstoffe auf und spuckten auf der anderen Seite fertige Hemden aus - und das in künstlerischen Designs, hochwertigen Materialien und qualitativer Produktion.
Der Verbindung von Tourismus und Textilhandel entspringt auch das steigende Interesse der Politik an den Hawaiihemden. Unmittelbar nach dem Krieg begannen die Lenker des US-Territoriums, das erst 1959 zum 50. Bundesstaat aufstieg, die inseltypische Tracht gezielt zu fördern. Als Durchbruch gilt die erste "Aloha Week" im Jahr 1947, ein Festival der hawaiianischen Kultur, das die Handelskammer und die Verwaltung von Honolulu gemeinsam organisierten. Für den Tourismus war es ein Publikumsmagnet im normalerweise schwachen Monat Oktober, für die Textilhersteller eine Plattform, da alle Beteiligten etwa bei den Blumenumzügen natürlich Hawaiihemden trugen - oder das Gegenstück für Frauen, ein als Muumuu bekanntes, locker getragenes Kleid.
Seitdem ist die "Aloha Week" stetig gewachsen und hat dazu beigetragen, den Mythos Hawaiihemd in der ganzen Welt zu verbreiten. Seit 1974 erstrecken sich die Festlichkeiten auf sechs der hawaiianischen Inseln und dauern einen ganzen Monat. Seit 1991 sind sie offiziell unter dem Namen "Aloha Festivals" bekannt. Jeder Hawaii-Fan sollte einmal in seinem Leben bei diesem bunten und frohen Treiben dabei gewesen sein.
